Kein Wegschauen – Veranstaltungsreihe des OAMs über den NSU-Komplex

Das Offene Antifatreffen München organisiert eine Veranstaltungsreihe zum NSU-Komplex mit dem Titel „Kein Wegschauen„. Los geht es am 07. Februar mit einem Workshop zu den rassistischen Hintergründen des NSU-Komplexes und einem gemeinsamen Prozessbesuch am Tag darauf, dem 08. Februar.

Nach fast 5 Jahren wird im Frühjahr 2018 der NSU-Prozess am Oberlandesgericht München zu Ende gehen. Dann wird das Gericht seine Urteile über die angeklagten Rechtsterrorist*innen Beate Zschäpe, André Eminger, Holger Gerlach, Ralf Wohlleben und Carsten S. verkünden. Aber egal welches Urteil die Angeklagten schließlich erwarten wird, aufgearbeitet sind die neonazistischen Morde damit nicht, denn während mit den Angeklagten zwar einige der unmittelbaren Täter*innen vor Gericht stehen, bleiben zahlreiche Unterstützer*innen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) unbekannt und vor allem die Rolle des staatlichen Verfassungsschutzes, der tief in diese Morde verwickelt zu sein scheint, bleibt in ihrer Dimension ungeklärt.

Wir wollen wissen, wer für die Mordserie, die Anschläge und den Terror verantwortlich ist. Die Beschränkung der Bundesanwaltschaft auf das Trio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe und ihr nächstes Umfeld ignoriert den Netzwerkcharakter des NSU. Der NSU war keine isolierte Zelle aus drei Personen, der NSU war auch mehr als die fünf Angeklagten vor dem Oberlandesgericht. Nicht zuletzt die Arbeit der Nebenklage hat diese Grundannahme längst widerlegt. Ohne militante Nazi-Strukturen wie „Blood and Honour“, lokale Kameradschaften oder etwa den „Thüringer Heimatschutz“ um Ralf Wohlleben und die V-Person Tino Brandt, wäre der NSU wohl schwer möglich gewesen. Die Aufklärung im Rahmen des Prozesses wurde jedoch konsequent unterbunden, auch durch die eng geführte Anklageschrift der Bundesanwaltschaft und die Weigerung, der Nebenklage komplette Akteneinsicht zu gewähren.

Doch es sind nicht nur die Verstrickungen des NSU mit dem Verfassungsschutz und die zum Teil weiterhin bestehenden, militanten Neonazi-Strukturen, die unsere Besorgnis erregen, sondern vor allem die gesellschaftliche Wahrnehmung der Mordserie und der institutionelle Rassismus, der einer Ermittlung der Täter*innen ebenso wie der Aufklärung der Hintergründe der Morde von Anfang an und bis heute im Weg stand und steht.

Auch wenn sich die Angehörigen und Betroffenen sowohl bei den Morden, als auch bei den Anschlägen des NSU, etwa auf die Kölner Keupstraße, schon früh dafür einsetzten, rassistische Motive in den Untersuchungen nicht auszuschließen, kam das für die ermittelnden Polizist*innen zunächst nicht in Betracht. Stattdessen richteten sie ihren Verdacht gegen das Umfeld der Mordopfer, konstruierten ebenso absurde wie rassistische Vorwürfe, die Ermordeten müssten ihren – unterstellten – mafiösen und kriminellen Verstrickungen zum Opfer gefallen sein. Nur allzu gerne nahm diesen Verdacht auch die deutsche Mehrheitsgesellschaft auf. Von rassistischen Klischees geprägt, war für die Berichterstattung in der Presse und für die Öffentlichkeit klar: als Menschen mit Migrationshintergrund durften die Ermordeten nicht einfach Opfer sein – etwas potentiell Kriminelles, irgendwie Gefährliches musste doch an ihnen haften.

Bestärkt durch die Berichterstattung in den Medien gingen die ermittelnden Polizist*innen noch einen Schritt weiter: „Vor dem Hintergrund, dass die Tötung von Menschen in unserem Kulturraum mit einem hohen Tabu belegt ist, ist abzuleiten, dass der Täter hinsichtlich seines Verhaltenssystems weit außerhalb des hiesigen Normen- und Wertesystems verortet ist“, mutmaßte das LKA Baden-Württemberg in einer operativen Fallanalyse über die Täter*innen der Mordserie. In der Presse war ein ähnlich rassistischer Ton zu vernehmen, wenn im Zusammenhang mit den Morden von einer „Türken-Mafia“ bzw. „Halbmond-Mafia“ die Rede war. Später steigerte sich die Sensibilitätslosigkeit und der Rassismus der Öffentlichkeit soweit, dass diese jahrelang die Bezeichnung „Döner-Morde“ für die Mordserie des NSU verwendete.

Dieser Umgang der Gesellschaft mit den Morden und Anschlägen des NSU zeugt davon, dass der Rassismus, der in seiner extremen Ausprägung die Morde und Anschläge des NSU zu verantworten hat, auch in der Mitte der Gesellschaft verankert ist!

Die Morde und Anschläge des NSU sind keine Einzelfälle. Immer wieder gibt es Anschläge mit rechten und rassistischen Hintergründen, immer wieder werden diese von der Gesellschaft verharmlost oder gar geleugnet. Wir wollen das nicht einfach hinnehmen. Anlässlich des NSU-Prozesses wollen wir die Wirkmechanismen des institutionellen und gesellschaftlichen Rassismus und seine Zusammenhänge mit den Ideologien militanter Rechter analysieren. Wir wollen darüber diskutieren, welche Anknüpfungsmöglichkeiten für antifaschistisches und antirassistisches Engagement angesichts rechten Terrors bestehen. Deshalb wollen wir uns in einer Veranstaltungsreihe über die rassistischen Hintergründe der NSU-Morde und -Anschläge gemeinsam mit euch diesem Thema an-nähern und gemeinsam Perspektiven für unsere Handlungsmöglichkeiten in diesem Themenfeld entwickeln.

Termine

07. Feb. 2018, 18 Uhr Workshop zu den rassistischen Hintergründen des NSU-Komplexes
Kafe Marat, Thalkirchner Str. 102
08. Feb. 2018, 09 Uhr Gemeinsamer Prozessbesuch mit anschließender Diskussion
Am U-Bahn Ausgang vor dem Strafjustizzentrum, Nymphenburger Straße 16, München, ab 13 Uhr Diskussion und KüfA im Kafe Marat
21. Feb. 2018, 16 Uhr Gemeinsames Transpi-Malen für Tag X, ab 20 Uhr: Offenes Antifatreffen
Kafe Marat, Thalkirchner Str. 102
07. März 2018, 16 Uhr Gemeinsamer Besuch der Ausstellung „Nie wieder, schon wieder, immer noch!“
NS-Dokuzentrum, Brienner Str. 34, München
Tag X Antifaschistische Demo & Aktionen am Tag der Urteilsverkündung in München
Weitere Informationen: nsuprozess.net

Vortrag: Die vielen Facetten des Feminismus – Zur Geschichte, Theorie und Aktualität feministischer Kämpfe

Das Offene Antifa-Treffen München lädt am Freitag, den 23.06.2017, im Kafe Marat (Thalkirchnerstr. 102) zum Vortrag mit Imke Schmincke über Feminismus

Wir haben es derzeit mit einer Vervielfältigung feministischer Positionen und Perspektiven zu tun: Es gibt Netzfeminismus, konservativen oder neoliberalen Feminismus, Champagnerfeminismus, Queerfeminismus etc. In dem Vortrag wird es darum gehen, Feminismus in der Geschichte der Frauenbewegung(en) zu verorten, auf feministische Forschung einerseits und Gleichstellungspolitik andererseits einzugehen und schließlich aktuelle Themen und Protestformen des Feminismus zu beleuchten und zu diskutieren.

Imke Schmincke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der LMU München.

Offen ist ab 20 Uhr, der Vortrag beginnt so um 21 Uhr. Für veganes Essen und kühle Getränke sorgt wie jeden Freitag das Freitagskafe.

Neues Selbstverständnis des OAM

Das Offene Antifa Treffen München hat sich im Mai 2017 nach einem langen Diskussionsprozess ein neues Selbstverständnis gegeben. Hier könnt ihr es jetzt nachlesen:

AfD, Pegida, Identitäre Bewegung, Front National, FPÖ – der Aufstieg all dieser Gruppierungen ist Ausdruck rechter Massenmobilisierungen in den letzten Jahren. Das gesellschaftliche Diskurs verschiebt sich immer weiter nach Rechts. Die rassistischen Angriffe auf Migrant*innen, deren Unterkünfte und Unterstützer*innen gehören inzwischen zum Alltag. Während sich auf der Straße und im Internet der rechte Mob austobt und „besorgte Bürger*innen“ endlich sagen können, was ihnen schon immer auf der Zunge liegt, beschließen die Regierungen in Deutschland, Europa und der ganzen Welt im Schnelldurchgang eine Asylrechtsverschärfung nach der nächsten, unterzeichnen sogar – wie zuletzt in Bayern – ein extra auf Migrant*innen zugeschnittenes, rassistisches „Integrationsgesetz“ oder handeln untereinander mit „legalen“ und „illegalen“ Migrant*innen wie im Fall des EU-Türkei Deals. Trotz der „Willkommenskultur“ und Engagement in Helfer*innenkreisen ist die Brutalität der europäischen Außengrenzen weiterhin Realität. Weiterhin werden wöchentlich hunderte Geflüchtete beim Versuch die Mauern der Festung Europa zu überwinden im Mittelmeer getötet.

Das alles ist weder Ergebnis der Tat einer extrem rechten Minderheit, einer verdeckten Weltelite, noch von Regierungen, die nur als Agenten des Kapitals agieren, sondern Ausdruck eines tief in der Gesellschaft verwurzelten Rassismus und Ergebnis einer die Freiheit des Einzelnen einschränkenden kapitalistischen Verwertungslogik und der Strukturen, die diese fordert. Der aus der ständigen In-Konkurrenz-Setzung und Verwertung der Arbeitskraft der Einzelnen entstehende Druck fördert die Abgrenzung zu sozial Benachteiligten und Marginalisierten und verstärkt Ideologien wie Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus, Sexismus und Antiromaismus. Eine Kritik an diesen Ideologien ist daher nicht ohne eine Kritik des Gesamtzustandes zu haben, der diese möglich macht. Die verbliebenen Akteur*innen, welche dennoch Widerstand gegen all dies leisten, werden massiv mit Repression überzogen.

Antifaschismus bedeutet für uns den Ideologien, der rechten Massenmobilisierung und dem kapitalistischen Gesamtzustand entgegenzuwirken und auf ein mögliches Besseres hinzuarbeiten. Daher wollen wir den Widerstand dagegen so effektiv wie möglich gestalten, uns deshalb vernetzen und Strukturen aufbauen, die dies ermöglichen. Da es oftmals schwierig ist, sich in der radikalen Linken einzubringen, soll das Offene Antifa Treffen München Abhilfe leisten und organisierten Antifaschismus auch für bisher unorganisierte Personen möglichst zugänglich machen. Das OAM versteht sich als offene Struktur; sowohl offen für interessierte Menschen, die mit den herrschenden Zuständen nicht zufrieden sind, offen für Themen und Ideen, als auch offen für Menschen welche sich oder ihre eigenen Gruppen und Projekte weiter vernetzen wollen.

Wann: jeden Mittwoch um 20:00 Uhr

Wo: Kafe Marat, Thalkirchnerstraße 102

Kommt vorbei, bringt euch ein, organisiert euch!

Vortrag: Antifeminismus im deutschsprachigen Raum. Inhalte, Strategien und Argumentationsmuster

Am Samstag, 4.2. ab 20 Uhr im Kafe Marat, Thalkirchenerstr. 102

Vortrag:

Antifeminismus im deutschsprachigen Raum. Inhalte, Strategien und
Argumentationsmuster

"Gender-Mainstreaming ist intellektueller Wohlstandsmüll“, „Ehe und
Familie vor!“, "Unsere Demokratie entwickelt sich allmählich zur
Femokratie“ - in Zeiten des parlamentarischen und
gesamtgesellschaftlichen Rechtsrucks/Rollbacks zeigt Antifeminismus
seine vielfältigen Gesichter. Im Rahmen des Beitrags werden exemplarisch
die verschiedenen Ausprägungen antifeministischer Aktivitäten im
deutschsprachigen Raum beleuchtet.
Neben religiösem Fundamentalismus, welcher unter anderem von sogenannten
„Lebensschützer_innen“ vertreten wird und dem moderneren
Anti-Genderismus, welcher sich primär gegen progressive Sexualpädagogik
an Schulen ausspricht, soll auch die antifeministische
Männerrechtsbewegung genauer betrachtet werden. Die Bewegung formierte
sich in den 80ger Jahren und ist auch derzeit insbesondere in den
sozialen Medien vertreten. Hierbei soll geklärt werden, welche Inhalte
verschiedene antifeministische Gruppierungen transportieren, wie weit
sich diese überschneiden und welchen Strategien sie sich in
verschiedenen Räumen und Öffentlichkeiten bedienen.

Nach dem etwa einstündigen Input wird es Möglichkeit zu
(kritischen) Nachfragen und zur Diskussion geben.

Anschließend Party!

Möge die Nacht mit euch sein! – Vortrag und Party

moege-die-nacht-mit-euch-sein-flyerOAM-Soliparty // Freitag, 04. November, 20:00 // Kafe Marat, Thalkirchner Straße 102

mit…

AIKA AKAKOMOWITSCH
HUBERT TERROR
DJ MARY MAUDE

davor Vortrag von „time to act“…

Eure Stadt ist euch, wie viele andere Provinzstädte, zu trist, grau und viel zu langweilig? Dann ist das genau der richtige Workshop für euch, denn wir wollen euch die vielen Möglichkeiten zeigen, eure Stadt zu und mit oder umzugestalten. Angefangen bei der Vorbereitung der kreativen Betätigung, über Möglichkeiten der Stadtverschönerung bis hin zur Durchführung bei Nacht und Nebel – hier lernt ihr wie es funktionieren kann. Manchmal braucht es nur eine gute Mischung aus Wahnsinn, Kreativität und Aktivismus, um die öden Verhältnisse auf den Kopf zu stellen und zum tanzen zu bringen.

Sa, 27.02.: Rassistische Mobilmachung stoppen!

Übernommen von http://antifa-nt.de/?p=2731:

mobilmachungstoppen

Am Samstag, den 27.02. will die NPD in München gegen Refugees hetzen.

In Clausnitz terrorisiert die Dorfgemeinschaft mit tatkräftiger Unterstützung der Polizei ankommende Refugees, während in Bautzen ein Mob rassistische Brandstiftung beklatscht…

Die schiere Masse der Attacken im ganzen Bundesgebiet, hat Angriffe und Anschläge auf Asylsuchenden-Unterkünfte schon fast zur traurigen Gewohnheit werden lassen. Die Münchner NPD möchte da nicht abseits stehen und bemüht sich nun auch darum Öl ins Feuer zu gießen. Unter dem Motto “Sozialer Wohnungsbau für Deutsche statt Flüchtlingsheime in allen Stadtteilen!” planen die Nazis drei Kundgebungen in der Nähe von Unterkünften für Asylsuchende in Milbertshofen. Kommt zu den Gegenprotesten und leistet lautstarken Widerstand!

Nationalismus ist keine Alternative! Refugees welcome! Pogrome verhindern, bevor sie geschehen!

1. Kundgebung: 10.45 bis 11.30 Uhr am Morsering 11 statt wie zuerst geplant 26 (nahe der neuen Unterkunft in der Neuherbergstrasse 28)

2. Kundgebung: 11.45 bis 12.30 Uhr am Starenweg/Ecke Dohlenweg (nahe der Unterkunft an der Thalhoferstr.)

3. Kundgebung: 12.45.bis 13.30 Uhr an der Wundstrasse/Ecke Paracelsusstrasse (Nähe Bayernkaserne)

 

28.11. – Nazi-Kundgebungstour

In München plant die Neonazi-Partei „Die Rechte“ diesen Samstag eine Kundgebungstour mit 3 Kundgebungen unter dem Motto „Die Rechte – Alternative für München.“.

Standorte:

11:00-11:30 Uhr Giesinger Bahnhofsvorplatz
12:00-12:30 Uhr Max-Joseph-Platz
13:00-13:30 Uhr „Mira Einkaufszentrum“, Schleißheimerstr. 504-506